Der Schlummerbär und die Reise zum Mars

Diese Geschichte entstand als Sonderpreis im Rahmen des Schlummerbär-Wettbewerbs 2020.

Die Kinder konnte sich ihre eigene Geschichte mit dem Schlummerbären wünschen, welche dann von Lisa umgesetzt wurde.

Ideengeberinnen und Ideengeber: Johannes, Jannick, Lena, Luna, Niklas, Theo, Ava, Jano, Mikael, Caroline, Lena, Ida, Marie, Felix, Nicolas, Vincent, Selma, Luca, Leni und Paul von der Kath. Kindertagesstätte St. Aloysius Stürzelberg

Autorin: Lisa Rothenhöfer

Der Schlummerbär und die Reise zum Mars

Liebe Kinder,
herzlichen Glückwunsch zum zweiten Preis im Schlummerbär-Wettbewerbs 2020! Dies ist die Geschichte, die ihr als Preis gewonnen habt. Sie wurde speziell für euch geschrieben! Wir hoffen, sie gefällt euch!
Das ganze Team vom Schlummerbär-Verlag freut sich sehr über euren tollen Wettbewerbsbeitrag und die super Ideen für diese Geschichte. Ihr seid wirklich super!!

Der Schlummerbär und seine beste Freundin, die Maus Brie, saßen zusammen auf dem Dach ihres Baumhauses. Es war Nacht und sie sahen zu dem Sternenhimmel hinauf.

Da hob der Schlummerbär eine Tatze, zeigte auf die Sterne und meinte: „Du, Brie … Meinst du, dort oben im Himmel wohnt irgendjemand?“

Brie kratzte sich nachdenklich an der Nase. Dann antwortete sie: „Meine Tante war ja, wie du weißt, eine sehr gebildete Maus. Sie hat mir erzählt, dass es dort oben riesige Kugeln gibt, die Planeten heißen. Die sind so groß, dass es möglich wäre, dass darauf jemand lebt.“

Der Schlummerbär bekam ganz große Augen vor Staunen. Verblüfft sagte er: „Das ist ja verrückt! So einen Planeten würde ich mir gern einmal anschauen!“

Da hatte Brie eine Idee. Sie rief begeistert aus: „Weißt du was? Lass uns doch eine Reise in den Weltraum machen und uns einen der Planeten ansehen!“

Der Schlummerbär sah verwundert zu ihr hinüber. Er fragte: „Aber – wie kommen wir denn dorthin?“

Brie lächelte fröhlich und rief: „Wir bauen eine Rakete, mit der wir zu einem der Planeten dort oben fliegen. Meine Tante hat mir erklärt, wie das geht!“

Die nächsten Wochen bauten der Schlummerbär und Brie fleißig an ihrer Rakete. Das war gar nicht so einfach! Doch zum Glück kannte Brie sich sehr gut aus und all die anderen Tiere halfen ihnen.

Als die Rakete endlich fertig war und der Abflug näher rückte, waren nicht nur der Schlummerbär und Brie, sondern auch all die anderen Tiere im Wald sehr aufgeregt.

„Das ist die tollste Rakete, die je gebaut wurde!“, rief das Hasen-Kind Flauschi beeindruckt.

Tatsächlich war die Rakete sehr schön geworden. Sie hatte eine glänzende silberne Spitze und lila Streifen, weil das die Lieblingsfarbe vom Schlummerbär war. Außerdem gab es zwei hübsche runde Fenster.

„Jetzt fliegen wir gleich los!“, rief der Schlummerbär aufgeregt. Zusammen mit Brie stieg er durch die kleine Tür in die Rakete. Dann drehte er sich noch einmal um und rief: „Tschüss und bis bald!“

„Viel Glück und gute Reise!“, riefen die anderen Tiere. Die Hasen winkten, die Rehe trampelten aufgeregt mit den Füßen, der Igel kicherte nervös und sogar die Eule war ausnahmsweise bei Tag aufgestanden, um ihren Abflug zu beobachten.

Im Inneren der Rakete schnallte sich der Schlummerbär auf seinem Sitz an. Neben ihm saß Brie auf einem viel kleineren Sitz und drückte auf einen blinkenden roten Knopf. Da gab es einen Knall und ein Zischen – und ganz plötzlich hoben sie ab! Der Schlummerbär drückte seine Nase ans Fenster und sah zu, wie der Wald kleiner wirkte und dann unter den weißen Wolken verschwand.

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Viele, viele Stunden flogen der Schlummerbär und Brie durch den Weltraum. Um sie herum war es sehr dunkel, doch sie sahen auch viele leuchtende Sterne. Wenn sie zurückschauten, sahen sie hinter sich die Erde, die schon sehr weit weg war.

„Ich wusste gar nicht, dass unsere Erde so schön ist“, seufzte der Schlummerbär glücklich. „Sie sieht ein bisschen aus wie eine Pflaume, nur in Grün und Blau.“

Brie hatte das Lenken der Rakete übernommen. Immer wieder sah sie aus dem Fenster und auf ihre Sternkarten. Schließlich zeigte sie nach vorne und rief: „Guck mal, der rote Planet dort vorne, das ist der Mars! Sollen wir dort landen?“

Der Schlummerbär nickte begeistert. Er sagte: „Ein lila Planet wäre mir zwar noch lieber. Aber ein roter Planet ist auch toll. Lass uns hinfliegen und schauen, ob dort jemand wohnt!“

Brie steuerte die Rakete auf den roten Planeten zu. Durch das kleine, runde Fenster sah der Schlummerbär, wie die rote Kugel immer näher und näher rückte. Er konnte darauf keine Seen oder Wälder erkennen wie auf der Erde. Stattdessen sah er nur Berge, Krater und Felsen.

Während sie landeten, zischte es laut und Staub wirbelte vor dem Fenster herum. Dann gab es einen Ruck und die Rakete setzte auf dem Boden auf.

„Jetzt bin ich gespannt, wie es hier aussieht!“, rief Brie. Sie schlüpfte in ihren Raumanzug in Mause-Größe. Dann sagte sie zum Schlummerbären: „Zieh du auch deinen Raumanzug an! Auf dem Mars gibt es keine Luft, die wir atmen können. Da brauchen wir unsere Anzüge.“

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Kurz darauf stieß der Schlummerbär die Tür der Rakete auf und sprang hinaus. Brie folgte ihm. Erstaunt sahen sie sich um. Es gab keine Bäume, keine Wiesen, kein Wasser. Eigentlich gab es nur eine Menge Staub und Felsen.

„Lass uns ein Stück gehen und schauen, was wir noch entdecken!“, rief Brie. Dann lief sie voraus. Der Schlummerbär lief ihr hinterher. So ganz sicher war er sich nicht, dass sie sich einen guten Planeten für ihre Reise ausgesucht hatten. Er fand nämlich, dass es hier nicht besonders gemütlich aussah.

Sie gingen lange Zeit auf dem Planeten umher, aber sie entdeckten nichts Neues. Überall waren nur rote Felsen und roter Staub. Nach einer Weile wurden die Beine des Schlummerbären schwer und er hatte keine Lust mehr, noch weiterzulaufen.

„Ich glaube, es gibt hier nichts zu entdecken, Brie!“, rief er enttäuscht. Sie wollten gerade umdrehen, als es plötzlich laut PLOPP machte und vor ihnen auf einmal ein seltsames Lebewesen erschien.

„AAAAAAH!“, brüllten der Schlummerbär und Brie erschrocken und sprangen voller Angst zurück. Doch das Lebewesen schien nicht gefährlich zu sein. Eigentlich sah es sogar ganz nett aus. Es war quietschgrün, hatte kleine, runde Ohren, so dichtes Fell wie der Schlummerbär und einen langen, dünnen Schwanz wie Brie. Außerdem hatte es drei gelbe Augen, mit denen es sie freundlich ansah.

„Habt keine Angst!“, sagte das Lebewesen lächelnd. „Ich bin das Ma-Na-Li-Rororo und ich freue mich sehr, dass ihr bei mir vorbeischaut! Ich habe schon ganz lange keinen Besuch mehr bekommen. Kommt doch mit auf meine Raumstation, dann zeige ich euch alles!“

Der Schlummerbär und Brie lächelten erleichtert. Brie antwortete begeistert: „Oh ja, deine Raumstation wollen wir sehr gerne anschauen! Zeigst du uns all deine Maschinen und Geräte?“

Und der Schlummerbär fügte hinzu: „Und dein Essen, könntest du uns das auch zeigen? Und uns vielleicht auch was davon abgeben?“ Sein Magen knurrte nämlich laut und es sah nicht so aus, als würden auf dem Mars Pflaumen wachsen.

Das Ma-Na-Li-Rororo lachte und zwinkerte ihnen mit zwei seiner drei Augen zu. „Aber sicher!“, rief es. „Ich werde euch alles zeigen und etwas zu essen bekommt ihr natürlich auch! Ich habe erst heute Morgen einen ganz besonders leckeren Kuchen gebacken. Los, ploppen wir gleich zur Raumstation.“

Brie sah es verwirrt an und fragte: „Ploppen? Was ist denn das?“

Da staunte das Ma-Na-Li-Rororo und rief verblüfft: „Wie, könnt ihr etwa nicht ploppen? Also, einfach verschwinden und mit einem Plopp an einem anderen Ort wieder erscheinen? Müsst ihr etwa überall hinlaufen?“

Als der Schlummerbär und Brie nickte, nahm das Ma-Na-Li-Rororo sie bei den Händen – und im nächsten Augenblick machte es laut PLOPP und sie waren alle drei auf der Raumstation.

Der Schlummerbär sagte beeindruckt: „Das ist ja toll! Wenn ich ploppen könnte, könnte ich einfach in mein Baumhaus ploppen und müsste nicht die Leiter hochklettern!“

Danach zeigte ihnen das Ma-Na-Li-Rororo seine Raumstation, die riesengroß war. Überall gab es komplizierte Maschinen und Anzeigen. Aber es war auch sehr gemütlich darin. Das Ma-Na-Li-Rororo hatte ein hübsches Schlafzimmer, ein bequemes Wohnzimmer und ein großes Esszimmer, wo bereits ein riesiger Kuchen auf dem Tisch stand.
Während sie zusammen Kuchen aßen, erzählte Ma-Na-Li-Rororo alles über das Leben auf dem Mars und in der Raumstation. Dafür erzählten der Schlummerbär und Brie ihm, wie es bei ihnen im Wald war. Das Ma-Na-Li-Rororo hörte begeistert zu. Es lebte ganz alleine auf der Raumstation und war ganz aufgeregt, als es hörte, dass es im Wald viele Tiere gab.

„Sehen da alle Tiere aus wie ihr?“, fragte es neugierig.

„Neee!“, sagte der Schlummerbär. „Es gibt auch Tiere mit Geweihen wie die Rehe und Tiere wie die Schnecke, die ihr eigenes Haus dabeihaben. Dann gibt es noch die seltsamsten Tiere von allen, nämlich die Menschen, die noch nicht mal ein Fell oder Federn haben.“

Brie ergänzte: „Wir sehen alle sehr verschieden aus. Aber wir haben alle nur zwei Augen!“

Das Ma-Na-Li-Rororo schüttelte verblüfft den Kopf und rief: „Nur zwei Augen! Das muss ja ein verrückter Ort sein bei euch. Das würde ich mir zu gerne mal ansehen.“

Sofort antwortete Brie: „Dann komm doch einfach mit uns zurück auf die Erde! Wir werden dir all die anderen Tiere vorstellen und dann können wir auch mal die Menschen ansehen!“

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Als der Schlummerbär und Brie nach einigen Tagen Aufenthalt auf der Raumstation wieder mit ihrer Rakete losflogen, waren sie nicht alleine unterwegs. Denn dicht hinter der Rakete folgte ihnen das Ma-Na-Li-Rororo in seiner Raumstation. Gemeinsam nahmen sie Kurs auf die Erde.

Es dauerte viele Stunden, doch endlich kam die Erde in Sicht. Brie suchte den Wald und steuerte die Rakete darauf zu. Der Schlummerbär lächelte glücklich, als er seine Lichtung mit dem Baumhaus erkannte. Er freute sich, bald wieder zu Hause zu sein!

Brie landete mit der Rakete sehr geschickt auf der Lichtung und alle Tiere kamen neugierig angelaufen, als sich die Tür öffnete und der Schlummerbär und Brie ausstiegen. Die Raumstation von dem Ma-Na-Li-Rororo konnte nicht landen, denn dafür war sie nicht gebaut. Aber das machte nichts, denn das Ma-Na-Li-Rororo parkte die Raumstation im Weltraum über dem Wald und ploppte sich zu ihnen hinunter.

Da staunten die anderen Tiere nicht schlecht, als plötzlich neben Brie und dem Schlummerbären das quietschgrüne, dreiäugige Lebewesen vom Mars auftauchte.

„Das ist unser Freund, das Ma-Na-Li-Rororo! Wir haben es mitgebracht, um ihm alles hier zu zeigen!“, erklärte der Schlummerbär, als die anderen Tiere aufgeregt herankamen und an dem Besucher schnüffelten. Es dauerte nicht lange, da hatten sie mit dem Ma-Na-Li-Rororo schon Freundschaft geschlossen, denn der Besucher war nett und hatte viele spannende Geschichten zu erzählen.

Drei Tage blieb das Ma-Na-Li-Rororo im Wald. Es wohnte mit dem Schlummerbären und Brie im Baumhaus, ploppte sich zur Freude des Schlummerbären mit ihnen hoch und runter, statt die Leiter zu benutzen, und traf allerlei verschiedene Tiere. Am dritten Tag wollte es dann wieder abreisen, denn es bekam langsam Heimweh nach seinem roten Planeten.

„Eure Bäume und Pflanzen und Seen sind zwar wunderschön. Aber für mich sind rote Steine und Staub doch am allerschönsten!“, erklärte es voller Sehnsucht.

Was an dem roten Planeten so schön sein sollte, verstanden der Schlummerbär und Brie zwar nicht. Aber sie verstanden, dass jeder sein Zuhause hatte, wo er hingehörte, und dass das Ma-Na-Li-Rororo wieder nach Hause zurückwollte.

„Bevor du dich auf deine Raumstation ploppst, zeigen wir dir zum Abschluss noch eine besonders verrückte Sache hier auf der Erde! Und zwar die Menschen!“, erklärte der Schlummerbär lächelnd. So liefen die drei eine ganze Weile, bis sie an den Rand des Waldes kamen. Dort gab es einen Weg, der von Menschen gemacht war.

„Hier warten wir in unserem Versteck, bis die nächsten Menschen vorbeikommen. Sie dürfen dich aber nicht sehen, Ma-Na-Li-Rororo, denn sonst kriegen sie einen riesigen Schreck!“, erklärte Brie. Die drei machten es sich also hinter ein paar Büschen gemütlich.

Bald darauf hörten sie, wie Menschen herankamen. Es waren zwei große Menschen und eine ganze Menge Menschenkinder.

„Heute machen wir ein schönes Picknick hier im Wald! Hier könnt ihr die Decke hinlegen, Johannes und Jannick“, erklärte einer der erwachsenen Menschen.

Zwei kleine Jungen breiteten die Decke aus und riefen: „Ihr könnt uns helfen, Lena, Luna und Niklas!“

Dann sagte einer der großen Menschen: „Jetzt könnt ihr das Essen aus dem Korb holen, Theo, Ava, und Jano. Und ihr könnt die Getränke hinstellen, Mikael, Caroline und Lena!“

Schnell wurde das Essen ausgepackt. In seinem Versteck knurrte dem Schlummerbär der Magen, weil alles so lecker aussah. Das Knurren war so laut, dass sich eins der Menschenkinder, das Ida hieß, verwundert umdrehte und fragte: „Habt ihr das komische Geräusch auch gehört, Marie und Felix?“

Der Schlummerbär, Brie und das Ma-Na-Li-Rororo hielten in ihrem Versteck die Luft an und der Schlummerbär versuchte seinem Magen zu sagen, dass er nicht mehr knurren dürfte.

Doch zum Glück schüttelten die anderen Kinder den Kopf und sagten: „Nein, wir haben nichts gehört. Und ihr, Nicolas und Vincent?“ Doch auch diese beiden Menschenkinder schüttelten den Kopf und dann vergaßen sie das Geräusch, denn ein weiteres Kind rief: „Selma, Luca und Leni haben ein Springseil dabei! Und Paul hat einen Ball mitgebracht! Lasst uns schnell essen, damit wir danach spielen können!“

Da waren der Schlummerbär, Brie und das Ma-Na-Li-Rororo sehr erleichtert. Sie sahen den Menschenkindern noch ein bisschen zu und schlichen dann wieder davon.

Nachdenklich sagte das Ma-Na-Li-Rororo: „Die Menschenkinder sehen ja wirklich ganz lustig aus. Bestimmt könnte man mit ihnen viel Spaß haben. Aber es ist gut, dass sie mich nicht gesehen haben. Da hätten sie sich bestimmt sehr erschreckt.“

Brie lächelte und sagte: „Vielleicht kannst du uns ja noch mal besuchen kommen und dann schauen wir uns noch mal die Menschen an. Aber nun möchtest du bestimmt erst mal zurück nach Hause auf den Mars!“

Das Ma-Na-Li-Rororo nickte, umarmte seine beiden neuen Freunde fest und verschwand dann mit einem lauten PLOPP auf seine Raumstation, um zurück zum Mars zu fliegen.

Der Schlummerbär und Brie gingen zurück zum Baumhaus. Ab und zu guckten sie in den Himmel hinauf und dachten an das Ma-Na-Li-Rororo. Der Schlummerbär sagte schließlich: „Es ist traurig, dass unser neuer Freund wieder weggeflogen ist. Aber immer, wenn wir in den Himmel gucken, wissen wir, dass er irgendwo dort oben ist!“